Audioeffekt 2026 – ALWAYS WITHIN REACH

Wie Mentale Verfügbarkeit mit Mediennutzung verknüpft ist – und warum Radio besonders profitiert

Der Kontext der Studie
Die Medienlandschaft wird immer fragmentierter. Plattformen dominieren den Werbemarkt und binden einen Großteil der Budgets, während gleichzeitig alle Medien um dieselbe knappe Ressource konkurrieren: die Aufmerksamkeit der Menschen.
Diese Aufmerksamkeit (Rezeption), die wir in der Mediennutzung aufbringen, variiert zwischen den Medienkanälen, die wir auswählen. Aber auch die Aufnahmebereitschaft von Werbung (Rezeptivität) variiert. Dieses Wechselspiel von Rezeption und Rezeptivität ist hochrelevant für den Kampagnenerfolg, muss aber zusätzlich um einen wichtigen Aspekt erweitert werden: Werbung muss als solche erkannt bzw. der Marke zugeordnet werden. Effektive Werbekontakte müssen also keinesfalls zwingend möglichst viele Sekunden Aufmerksamkeit oder Engagement generieren. Ein kurzer oder flüchtiger Kontakt zur Marke kann bereits für den Aufbau der für das Markenwachstum so wichtigen mental availability ausreichen (Brand Building mit Audio (Domenichini/Schulte/Knobloch/Storck, 2023)).

Eine wesentliche Erkenntnis für erfolgreiche Markenkommunikation ist, dass Konsument:innen nur dann an Marken denken, wenn Bedarf besteht. Nur dann werden Markenentscheidungen gefällt (vergl. 95-5 rule (Dawes, 2021)). Und das passiert nur selten am Tag (GDI-Studie „Ausgebummelt“ Deutschland-Edition (GDI, 2024)). Wenn es Marken im Alltag schaffen, kontinuierlich an sich zu erinnern, kann das relevante Auswirkungen auf Umsätze haben. Denn so bauen Marken ihre mental availability aus. Die meisten Konsument:innen (84%) wählen eine Marke aus, die sie bereits vor dem Kauf in Betracht gezogen haben. Nur ein geringer Teil der Entscheidungen (16%) entfällt auf eine Marke, die vor der Kaufsituation nicht präsent war. („How Humans Decide“ von WPP Media/Oxford University, 2025) Für erfolgreiche Markenkommunikation bedeutet das: Entscheidend ist nicht nur der Werbekontakt, wenn ein Kauf ansteht, sondern vor allem, dass Marken im Alltag stattfinden, wenn keine Markenauswahl ansteht. Denn wenn es Marken gelingt, sich kontinuierlich in Erinnerung zu rufen, machen sie sich mit potenziellen Käufer:innen vertraut und bauen so Erinnerungsstrukturen auf, die dafür sorgen, dass sie sich im Moment des Kaufs im Kopf der Konsument:innen „vordrängeln“. Unser Alltag ist also besonders wichtig für Marken, denn hier findet dieses Priming statt. Der „Mediennutzung-Alltag“ von immerhin 6,5h pro Tag bietet hier das wichtigste Zeitfenster für Marken. (siehe die „Mediennutzungsstudie“ von ARD/ZDF, 2026)

Die Audioeffekt-Studie ALWAYS WITHIN REACH hat deshalb untersucht, welche Medien in diesem Werberelevanten Zeitfenster genutzt werden – und in welchen Kontexten. Die Studie zeigt, dass Reichweite für Marken nicht nur im Mediaplan entsteht, sondern auch in den Köpfen von Menschen und durch das „in Betracht ziehen“ von Mediengattungen in bestimmten Alltagskontexten. Denn Medien, die mit vielen relevanten Nutzungssituationen verknüpft sind, werden häufiger genutzt. Für Audiomedien trifft dies besonders zu, da insbesondere Radio und Musikstreaming im Alltag stark präsent sind und damit auch von ihrer hohen mentalen Verfügbarkeit im Vergleich zu anderen Medien profitieren.

Für erfolgreiche Markenkommunikation ist bekanntermaßen die Kombination des Kommunikationsziels „Brand Building“ mit hohen Reichweiten unverzichtbar, denn so werden gleichermaßen zukünftige Käuferschaften aktiviert, als auch bestehende Käufer:innen mit Erinnerungen an die Marke versorgt. Neben der physical availability von Marken am Point of Sale ist daher deren mental availability ein wichtiger Baustein, um Käuferreichweiten von Marken wachsen zu lassen. Der Aufbau von mental availability mit Werbung und die Kanalentscheidungen im MediaMix sind dabei als komplementär zueinander zu verstehen: Die Studie ALWAYS WITHIN REACH möchte aufzeigen, dass erstens hohe (media-planerisch) und zweitens breite (Berücksichtigung relevanter alltäglicher Mediennutzungskontexte) Reichweiten im MediaMix priorisiert werden sollten, um langfristiges Markenwachstum herbeizuführen.

Methodik

Basis der Untersuchung ist eine Online-Stichprobe von n= 2.878 Personen im Alter von 18+ Jahren in Deutschland. Die Stichprobe wurde gemäß bevölkerungsrepräsentativen Sollvorgaben nach Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet. Die Studie wurde mit dem Institut Bonsai Research und dem Felddienstleister horizoom durchgeführt.

Gewählt wurde ein 2-stufiges Studiendesign. Modul 1: In einer Tagebuch-Abfrage wurde über 5 konsekutive Tage die Nutzung von 11 Mediengattungen erhoben. Die Befragten gaben jeweils die Mediennutzung vom Vortag zwischen 6 bis 24 Uhr in 30-Minuten-Intervallen an. Um die Erinnerungsleistung der Befragten zu unterstützen, wurden 4 Leittätigkeiten vorgegeben und von den Befragten im Tagesverlauf angegeben. Modul 2: Am zweiten Tag der Mediennutzungsabfrage (Modul 1) wurde zusätzlich das Assoziationsnetzwerk der Befragten zwischen den Mediengattungen und Mediennutzungs-anlässen ermittelt. Dazu haben die Befragten zu 20 (aus insgesamt 25) Media Entry Points (MEPs) angegeben, welche der 11 Mediengattungen sie damit verbinden. Als Grundlage zur Erforschung von Media Entry Points dient das Modell des Ehrenberg-Bass-Instituts zur Mentalen Verfügbarkeit. Demnach spielt in Konsummärkten die mentale Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle beim Kauf von Marken. Sie beschreibt, ob eine Marke in einer Kaufsituation erinnert und in Erwägung gezogen wird. Je stärker die mentale Verfügbarkeit einer Marke, desto größer auch ihr Marktanteil. ALWAYS WITHIN REACH greift diesen Ansatz auf und wendet ihn auf den Medienmarkt an.

ERGEBNISSE

Audiomedien zeichnet eine hohe wöchentliche Nutzung aus

80% der Befragten nutzen mindestes 1 x wöchentlich Radio. 50% Musikstreaming-Angebote, 29% Podcasts und 21% Hörbücher. TV hat nach wie vor die höchste wöchentliche Nutzung bei 87% der Befragten. Social Media liegt mit 80% auf dem 3. Platz, gefolgt von Videostreaming (58%) und Nachrichten-Apps/Websites (57%).

Positiver Zusammenhang zwischen mentaler Verfügbarkeit und Nutzung von Medien

Zudem bestätigt die Studie den Zusammenhang zwischen mentaler Verfügbarkeit von Mediengattungen und deren tatsächlicher Nutzung. Radio hat unter allen untersuchten Medien den höchsten Mental Market Share mit 18%, gefolgt von Musikstreaming und TV mit jeweils 14%. Der mentale Marktanteil von Podcasts liegt bei 6% und der von Hörbüchern 5%.

Radio überzeugt mit hoher mentaler Reichweite

Auch bei der mentalen Reichweite, also der Anteil an Befragten mit mind. 1 Assoziation je MEP, liegt Radio mit 86% im Spitzenfeld auf Rang 2 hinter TV (88%).

Radio hat die größte Network Size aller Medien

Die eigentliche Stärke zeigt sich allerdings bei der Network Size, also der durchschnittlichen Anzahl an für die Mediennutzung relevanten Alltagsassoziationen je Gattung. Hier kommen Radio (6,8) und Musikstreaming (7,1) auf Spitzenwerte mit Abstand auf TV (5,4), Social Media (5,5). Podcasts kommen auf durchschnittlich 4,7 Assoziationen, Hörbücher auf 3,3.

Radio ist in 6 Alltagssituationen besonders verankert

Besonders stark ist Radio in 6 konkreten Alltagssituationen verankert: Beim Essen, während der Autofahrt, bei der Arbeit/Schule/Uni, bei der Hausarbeit, während Freizeitaktivitäten und zum Aufmuntern. In diesen Nutzungsanlässen ist Radio die am häufigsten verknüpfte Mediengattung.

Fazit: Reichweite entsteht nicht allein durch Werbedruck, sondern auch durch mentale Verankerung im Kopf

Für den Aufbau mentaler Verfügbarkeit und den Ausbau von Käufer:innen-Reichweiten, sollten Marken nicht nur auf digitale Kontakte bei akut Kaufbereiten, sondern auf kontinuierliche mentale Präsenz setzen. Hier wird die Markenauswahl zukünftiger Bedarfe beeinflusst und es entscheidet sich, welche Marken morgen gekauft werden. Audio wirkt dabei als Kanal, der Marken in wiederkehrenden Alltagssituationen verankert und so die Präferenzbildung unterstützt.

Audio ist eine wirksame, reichweitenstarke Mediengattung, die in vielen relevanten Mediennutzungssituationen „always within reach“ ist und damit großes Potenzial für erfolgreiches Brand Building und den Aufbau mentaler Verfügbarkeit für werbende Marken birgt. Vor allem Radio besetzt relevante Touchpoints, die sich nicht nur in Kaufnähe, sondern vor allem im Lebensalltag der Menschen abspielen und bietet Marken das Potential, in Alltagssituationen möglichst vieler potenzieller Käufer:innen stattzufinden. Das macht den klassischen Werbeträger Radio für Marken relevant, denn Werbung unterstützt Markenwachstum besonders wirksam über hohe Reichweiten unter Kategorie-Käufer:innen in möglichst vielen Alltagssituationen. Und Radio erreicht nach wie vor mehr Menschen in mehr alltäglichen Kontexten als dies die Angebote der digitalen Plattformanbieter leisten können. Aufgrund der hohen mentalen Präsenz im Alltag wirken Audiomedien im MediaMix verstärkend auf die Aktivierung von light-buyers bzw. die Aktivierung von future demand („Radio. The Ultimate Sidekick“) Ritson, 2024)).

Sandra Meys
Leiterin Advertising & Market Insights
ARD MEDIA GmbH 
Telefon: +49 69 154 241 26
E-Mail: sandra.meys@ard-media.de


Philipp Schulte

Head of Advertising & Market Research
RMS Radio Marketing Service GmbH & Co. KG
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